26. Juni 2017 Kommentare (4) Wettkampf

ZUT Supertrail 2017 – am Ende wird alles gut

Vor inzwischen schon wieder sechs Tagen war es endlich soweit. Ich stieg ins Auto auf dem Weg nach Grainau zum ZUT Supertrail 2017. Meine Vorfreude war riesig. Schließlich hatte ich seit Februar darauf trainiert und versucht mich konzentriert vorzubereiten.

Fakten

Strecke: 62,9km
Höhenmeter: 2995D+
Zeit: 9:01:07
Platz: AK 10/ OV 38

In Grainau auf dem Campingplatz angekommen, war ich erst mal überrascht, dass das Wetter recht schlecht war. Sollte es schon wieder eine Schlammschlacht geben? Der Wetterbericht verhieß Gutes, insofern erstmal alles gut. Ich holte dann am Donnerstag gleich meine Startunterlagen ab und ging noch etwas shoppen auf der Expo am ZUT-Gelände. Dabei hab ich gleich noch ein Schnäppchen gemacht und mir die Salomon Sense Ultra geholt. Die Versuchung war natürlich groß mit den Schuhen auch gleich den Supertrail zu laufen. Aber wie heißt das Mantra:

Am Wettkampf nie etwas Neues ausprobieren.

Daran hielt ich mich auch.

Abends traf ich dann noch Marc und Victor aus der Trainingsgruppe von Michael Arend zum Essen. Früh ins Bett, denn morgens stand das letzte Beine ausschütteln mit der kompletten Trainingsgruppe auf dem Programm. Es schüttete wie aus Eimern. Noch immer war ich unsicher wie sich das Wetter entwickelte.

Nachmittags letzte Wettkampf-Besprechung und zum ersten Mal lernten wir alle Mitläufer aus der Gruppe kennen. Ein sehr sympathischer und bunter Haufen. Alle Distanzen und alle Geschwindigkeiten waren vertreten. Danach noch schnell zum Racebriefing ins Kurhaus und dann heim ins Bett. Ich wollte richtig ausgeruht an den Start gehen.

Morgens um 5:45 Uhr krabbel ich aus dem Schlafsack und mache mir Frühstück. Wie gewohnt Haferflocken, Bananen, Honig und Milch. Ich merke schon dass mein Magen nicht so ganz fit ist. Der Kaiserschmarrn vom Tag zuvor war wohl doch etwas zu heftig. Um 6:45 Uhr steig ich auf mein Rad und fahr zum Kurhaus, wo um 7.20 Uhr der Shuttle-Bus nach Leutasch, unserem Startpunkt, abfährt. Ich treffe Markus und führe ein nettes, lockeres Gespräch. Wir beide sind positiv angespannt, aber nicht zu nervös. Markus peilt für den Supertrail eine Zeit unter 8 Stunden an, ich eine Zeit unter 9 Stunden. Markus wird recht behalten und kommt in 7:57 ins Ziel. Am Startpunkt treffe ich auch Martin, mit dem ich zwei lange Trainingsläufe absolviert habe. Mit dabei auch Gerd.

Der Startschuss

5 Monate Training und jetzt geht es endlich los. Das Wetter ist perfekt. Grundsätzlich finde ich Starts immer furchtbar. Alle rennen wie die Besessenen los und mir fällt es schwer mich zurückzunehmen. In der Vergangenheit habe ich dafür bereits Lehrgeld zahlen müssen.

Doch wer weiß…

Nicht überpacen und schööön langsam starten.

Ich wollte strikt nach Puls laufen. Meine Uhr habe ich so eingestellt, dass sie mir rechtzeitig ein Signal gibt, falls ich in den gefährlichen anaeroben Bereich komme. Bei mir sind das ab 166 Schläge pro Minute.

Hoch zum Scharnitzjoch merkte ich schon, dass mein Puls etwas höher war als normal. Nach 45 min nahm ich mein erstes Gel und schon meldete sich mein Magen. Das ging ja gut los. Magenprobleme hatte ich während meiner langen Trainingsläufe nie. Ich habe verschiedene Gels und Riegel bei meinen Trainingsläufen ausprobiert. Überzeugt habe mich letztendlich die Ultrasports Gels. Mit diesen laufe ich nun seit langer Zeit.

Oben am Scharnitzjoch hatte sich das Feld schon gut auseinander gezogen. Ich packte meine Stecken in den Rucksack und gab Gas Richtung Hubertushof, der ersten Verpflegungsstation. Die Auswahl an den Verpflegungsstationen war riesig: Melonen, Orangen, Salzstangen, Kuchen, Gurken mit Salz…

Downhill lief es gut und ich fand langsam meinen Ryhtmus. Leider fühlte sich mein Magen nicht so wirklich fit an. Am Hubertushof traf ich überraschend Michael (Arend), der mir half meine Stecken besser zu verstauen. Ein Stück Melone, Wasser aufgefüllt. Weiter geht`s…  Auf der Forststraße Richtung Mittenwald fand ich immer mehr zu mir und lief mit einer Pace von 5:30min/km im Schnitt.

An allen Stationen nahm ich nur noch ein Stück Melone, ein Stück Banane und ein Gel zu mir. Mehr ging nicht. Selbst beim Trinken war mir zum Schluss schlecht. Übergeben musste ich mich zu Glück nicht. So konnte ich die Strecke bis zur Partnachalm, der letzten Verpflegung vor dem großen Anstieg, schön gleichmäßig laufen. Hier aß ich einige Gurkenstücken mit Salz, die mir extrem gut bekamen. Dann kam mein Heimatrevier. Ich bin hier imTraining oft gelaufen und wusste genau was auf mich zukommt. Ich begann den Aufstieg Richtung Längenfelder. Umso höher ich kam, umso schneller wurde ich. Auf den letzten 50 Höhenmeter traf ich überraschend Stefan (Helbig), der mich bis oben hin mit der Kamera mit begleitete und mich motivierte.

Das letze Gel nach der Verpflegung brachte ich kaum noch runter. Der Würgereiz stieg. Insgesamt hatte ich 6 Gels, 1 Banane, 1 Riegel und ca. 5 Stück Melone zu mir genommen. Nicht besonders viel, dafür das ich bereits 7,5 Std. unterwegs war. Ich schaute immer wieder auf die Uhr. Mein Zeitziel, unter 9 Stunden zu bleiben, schien noch machbar und trieb mich gut an.

Nur noch die letzten Höhenmeter zum Osterfelderkopf…

Oben angekommen, schnell Stecken sauber verpacken. Ich war genau 8 Stunden unterwegs. Wenn ich jetzt Gas gebe, könnte ich es noch schaffen.

Ich renne an der letzten Verpflegungsstation vorbei und freute mich schon riesig auf das Ziel. Zu wissen in wenigen Kilometern bin ich da, beflügelte mich.

Ich erreichte das Ziel mit 9:01:17. Knapp verpasst, aber überglücklich kam ich in Grainau an. Ich war erstaunt und froh, dass mein Magen noch so lange durchgehalten hat.

Mehr Infos zum ZUT gibt es auf deren Webseite.

Das schönste Gefühl für mich war, daß ich nicht völlig ausgepowert ankam. Das ist noch Luft nach oben. Die langen Laufeinheiten in den Bergen haben sich extrem bezahlt gemacht. Insgesamt hab ich doch fast zwanzig Minuten an den Verpflegungsstationen verbracht. Auch das kann man noch verbessern.

ZUT 2018, ich freu mich schon jetzt auf Dich.

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4 Kommentare zu ZUT Supertrail 2017 – am Ende wird alles gut

  1. dermitdemhut sagt:

    Wir waren auch noch auf dem gleichen Campingplatz und haben es geschafft uns zu übersehen… also dafür muss man wirklich ein Talent haben…

    Schade schade!

    Schöner Rückblick und wenn ich bedenke, dass ich ungefähr 1,5 Stunden länger gebraucht hab zeigt sich wie krass viel das Bergtraining bringt!

    Noch mal herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung!

    (Ich erlaube mir auf meiner Hompage auf deinen Beitrag zu verweisen)

    • Alex sagt:

      Mensch Flo,
      das wusste ich bisher gar nicht, daß ihr auch auf dem Camping gewesen seid.
      Das ist wirklich schade.
      Danke für das Feedback und den Link… 🙂

  2. Steve sagt:

    Sauber, herzlichen Glückwunsch zum Finish.
    Klingt nach einem wirklich gelungen Lauf!

    Gute Regeneration und weiterhin viel Spaß auf den Trails

    Viele Grüße

    Steve

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